Côte d'Azur im September, mit mehr Flair und weniger Trubel
Escapes
2026
Zwei Wochen im September, von Nizza bis Saint-Tropez. Warum der schönste Monat an der Riviera der ist, in dem die meisten schon wieder weg sind und die Küste wieder atmen kann.
Es ist Mittag, die rote Markise von Sénéquier leuchtet in der September-Sonne, und am Hafen von Saint-Tropez ist – Platz. Kein Gedränge, keine Schlange, kein Kampf um einen Tisch in der ersten Reihe. Nur klares Licht auf dem Wasser, ein paar Yachten, ein Glas Rosé zum Lunch. So kenne ich die Côte d'Azur. Und ehrlich gesagt kenne ich sie kaum anders, denn wir fahren nicht im Hochsommer hin. Wir fahren, wenn die meisten anderen schon wieder zu Hause sind.
September ist das offene Geheimnis der Riviera. Das Wasser ist auf dem wärmsten Stand des Jahres, das Licht wird weicher und goldener, die Preise atmen aus, und die Hochsaison-Massen sind weg. Was bleibt, ist die Küste, wie sie eigentlich gemeint ist: ruhig, elegant, entspannt. Zwei Wochen waren wir da – eine in Nizza, eine in der Nähe von Saint-Tropez. Das hier ist die Route.
Woche eins: Nizza als Basislager
Wir haben uns zentral in Nizza einquartiert und die Stadt zum Basislager gemacht: morgens durch die Altstadt, tagsüber mit dem Zug die Küste rauf und runter. Das ist der unterschätzte Trick an Nizza – man braucht kein Auto. Die Bahn fährt eng an der Küste entlang, und die schönsten Orte sind zehn, zwanzig Minuten entfernt. So haben wir auch Antibes, Cannes und Monaco als Tagesausflüge mitgenommen – alle per Zug ein Katzensprung, alle einen Ausflug wert. Antibes für die verwinkelten Gassen der Altstadt, Cannes für die Beach Clubs, Monaco für den Hafen voller Yachten. Wobei ich ehrlich sein muss: Monaco ist zur Formel 1 deutlich spannender als im Normalzustand – wer also die Möglichkeit hat, kommt am besten zum Grand-Prix-Wochenende.
Das beste Dinner der Woche, ohne Diskussion: Bocca Nissa, am Eingang zum Cours Saleya, zwei Schritte vom Meer. Von außen unscheinbar – man denkt fast, man läuft in einen Hinterhof –, und dann steht man auf einem 250 Quadratmeter großen, komplett bepflanzten Dachgarten mitten in der Altstadt. Mediterrane Tapas zum Teilen (mein Lieblingskonzept), gute Cocktails, ein freundlicher Service und einfach tolle Location. Genau die Mischung aus gutem Essen und Vibe, die einen Abend perfekt macht.
Der Ort, an den wir immer wieder geflüchtet sind
Villefranche-sur-Mer. Eine Zugstation von Nizza entfernt und trotzdem eine andere Welt. Der Zug hält quasi am Strand, und wenn man aus dem Bahnhof tritt, liegt sie direkt vor einem: eine der schönsten Buchten der ganzen Küste. Bunte Häuser, die sich die Hänge hinunter zum Wasser stapeln, davor eine tiefe, geschützte Bucht mit ein paar ankernden Yachten und ein Wasser, das so klar und ruhig ist, dass man einfach nur rein will. Genau das haben wir gemacht. Handtuch in den Sand, ein kaltes Corona in die Hand, rein ins Wasser, wieder raus, und das Ganze von vorn. Sommerurlaub wie aus dem Bilderbuch – ohne Programm, ohne Plan, ohne das Gefühl, irgendwas zu verpassen. Und weil man so schnell dort ist, ging das sogar noch nachmittags nach einem Tagesausflug, ganz ohne Stress.
Wenn der Hunger kam, ging es ohne den Strand wirklich verlassen zu müssen zum Dry, direkt am Hafen. Gute Snacks, ein Cocktail und dann zurück zum Handtuch spazieren. Nachmittags-Riviera in ihrer reinsten Form.
Ein rosa Palast über dem Meer
Ein Muss, auch wenn man mit „Villenbesichtigung" erst mal nichts anfangen kann: die Villa Ephrussi de Rothschild am Cap Ferrat. Ein rosafarbener Belle-Époque-Palast auf der Landzunge zwischen Nizza und Monaco, gebaut von Baronin Béatrice Ephrussi de Rothschild, umgeben von neun thematischen Gärten – dem französischen, florentinischen, japanischen, spanischen und so weiter.
Gegessen haben wir nach dem Rundgang im hauseigenen Restaurant Béatrice, draußen auf der Terrasse unter Orangenbäumen mit Blick über die Bucht von Villefranche. Ich war erst skeptisch, da die Karte eine Spur zu ausgefallen klang – aber View, Vibe und Geschmack waren am Ende 10/10.
Allgemein ist Cap Ferrat eine der schönsten und exklusivsten Ecken der ganzen Küste. Eine schmale Halbinsel voller versteckter Villen, Pinienschatten und stiller Buchten, bei der man sofort versteht, warum hierher seit über hundert Jahren die Leute kommen, die überall sein könnten.
Woche zwei: der Süden
Für die zweite Woche sind wir weiter runter, nach Cavalaire-sur-Mer, unterhalb von Saint-Tropez. Ein Airbnb mit direktem Blick aufs Meer und privatem Zugang zu einer kleinen Bucht – die ruhige Gegenwelt zum Glamour, der eine halbe Autostunde weiter wartet. Genau die richtige Dosierung: Rückzug als Basis, St-Tropez als Ausflug.
Saint-Tropez
Ja, es ist voll, teuer und ein bisschen Klischee. Es ist trotzdem großartig, wenn man es richtig macht. Pflichtstopp: Sénéquier, das berühmte rote Café am alten Hafen. Die knallroten Tische gibt es hier seit den Dreißigern, die Patisserie sogar seit 1887. Man sitzt in der ersten Reihe, isst gut (meine Herzensempfehlung: Caesar Salad und Trüffelravioli) und betreibt People- und Yacht-Watching auf Weltklasse-Niveau.
Für den Strand: Ramatuelle. Und zwar nicht die berühmten Club-Strände – kein Nikki Beach, kein Club 55 –, sondern einfach der weiße, weiche Sand mit türkisfarbenem, klarem Wasser. Man muss für den schönsten Strand der Gegend keinen Mindestverzehr auf einer Liege zahlen.
Das eine Dinner, das wir uns gegönnt haben war im Zuma St. Tropez. Und das war das Highlight der zwei Wochen. Das japanische Restaurant hat 2025 in den Gärten des legendären Hôtel Byblos aufgemacht – Open-Air-Izakaya, eine geschwungene Bambusbar, drei offene Küchen, alles in bester Qualität. Vibe, Essen, Service: von vorne bis hinten ein Traum. Eine dieser Date-Nights, an die man sich noch Jahre später erinnert. Danach noch durch die abendlichen Gassen schlendern, vorbei an Bars, den Boule-Spielern auf der Place des Lices und einer High-End-Boutique nach der anderen – der perfekte Schlusspunkt.
Was bleibt
Die Erkenntnis, dass die Riviera im September fast zu gut ist, um sie zu verraten. Das Licht, das Wasser, die Ruhe – und das Gefühl, dass nur noch die Leute da sind, die es wirklich wollen.
Was ich eingepackt hatte, damit es sich auch so anfühlt: viel Leinen, gute Sonnencreme, eine große Auswahl an Bikinis und den einen Duft, der für mich nach genau diesem Ort riecht – YSL Libre L'Eau Nue. Manche Sachen packt man ein, manche nimmt man mit nach Hause. Die Riviera im September gehört zu Letzteren.